Zusammenarbeit im Kiez – praktisch und konstruktiv

Besuch der Senatorin für Stadtentwicklung Katrin Lompscher im MehrGenerationenHaus Wassertor

Im Rahmen des Berliner Freiwilligentags hat sich die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Katrin Lompscher am vergangenen Freitag auch über die Arbeit des MehrGenerationenHauses im Wassertorkiez und über das Kieznetzwerk Kreuzberg informiert. Begleitet wurde sie von Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler.

Es ist Freitagnachmittag. Während draußen im Garten des MehrGenerationenHauses (MGH) Kinder spielen, erklärt drinnen die Leiterin der Einrichtung Julia Lehmann der Senatorin und den Vertretern und Vertreterinnen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, von Bezirk und Quartiersmanagement, von Paritätischem Wohlfahrtsverband und dem Kooperationspartner der idealo GmbH was sich hier in den vergangen Jahren alles getan hat. Seit 2006 gibt es das MehrGenerationenHaus. Mittlerweile finden hier jeden Monat rund 3000 Veranstaltungen für die Nachbarschaft statt. 70 Prozent der Menschen, die hier wohnen und leben, haben einen Migrationshintergrund. Die Gegend rund um das Wassertor zählt zu den ärmsten Wohngebieten der Stadt. An einem weiteren Standort des MehrGenerationenHauses, der Kiezstube, engagiert sich auch das kommunale Wohnungsunternehmen GEWOBAG, indem es Räume für Veranstaltungen zur Verfügung stellt.
Für Senatorin Katrin Lompscher ist die Entwicklung des MehrGenerationenHauses ein gutes Beispiel dafür, wie solche wichtigen Projekte auch durch eine Finanzierung über das Programm Soziale Stadt angeschoben werden können.

Modellhaft für Berlin ist auch das hier entwickelte Kieznetzwerk Kreuzberg, ein Verbund des MGH Wassertor mit Unternehmen und Firmen aus dem Kiez. Das Konzept hat das MehrGenerationenHaus gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin und der idealo GmbH entwickelt. 2015 war das Unternehmen mit rund 650 Mitarbeitern in die im Kiez gelegenen Ritterhöfe gezogen und wollte sich im Kiez engagieren. Im April 2016 haben das MehrGenerationenHaus Wassertor, der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin und die idealo GmbH eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Seitdem ist viel passiert. Wie Julia Lehmann berichtet, ist das Netzwerk von anfänglich 16 Firmen und sozialen Partnern inzwischen auf 40 angewachsen. Der Bezirk Kreuzberg, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, sowie das Quartiersmanagement Wassertor haben das Projekt von Anfang an unterstützt.

Nicht nur große Unternehmen zählen zum Kieznetzwerk Kreuzberg, auch kleine und mittelständische Firmen engagieren sich. Alle sechs Wochen trifft man sich zum Lunch, um neue Ideen zu entwickeln. So wurden beispielsweise zum Berliner Freiwilligentag 2016 Bänke in der Nachbarschaft gebaut, es gab eine Gesundheitsmesse, Kiezrundgänge und organisierte Besuche in Firmen, bei denen Jugendliche sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren konnten. Oft gibt es auch schnelle unkonventionelle Hilfe, z.B. wenn das MehrGenerationenHaus mal handwerkliche Unterstützung braucht. Beim Kieznetzwerk geht es weniger um finanzielle Unterstützung, sondern vor allem um eine gute Zusammenarbeit. Beide Seiten profitieren davon.

In der Diskussion mit der Senatorin wird die Runde schnell konstruktiv. Albrecht von Sonntag, Geschäftsführer der idealo GmbH, schlägt beispielsweise vor, freie Flächen vor den Gebäuden besser zu nutzen: also mehr Grün statt Grau und so eine gute Atmosphäre für Begegnung und Nachbarschaft zu schaffen. Spontan entsteht in der Runde auch die Idee, einen Preis auszuloben, um Projekte wie diese, die die Stadt sozialer machen, zu würdigen. Das will die Senatorin jetzt prüfen lassen. Auch für den Sozialstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg Knut Mildner-Spindler steht die weitere Unterstützung des Bezirksamts für das MGH und das Kieznetzwerk außer Frage.

Wie die Zusammenarbeit im Kieznetzwerk Kreuzberg ganz praktisch funktioniert, wurde bei dem anschließenden Besuch einer Mitmach-Aktion deutlich. Im Rahmen des Berliner Freiwilligentages hatten sich Kreative aus Kreuzberg zu einer sogenannten „Spätschicht“ zusammengefunden, um soziale Projekte mit ihren Ideen und ihrer Arbeit zu unterstützen. Innerhalb von fünf Stunden wurden gemeinsam Flyer, ein Logo, ein Marketingkonzept und ein Wegeleitsystem für die Flüchtlingskirche entwickelt. Auch hier sprachen Senatorin Lompscher und Sozialstadtrat Mildner-Spindler mit den insgesamt gut 20 Akteuren und ließen sich die Projekte erklären.

Profitiert haben alle von der vom Kieznetzwerk Kreuzberg organisierten „Spätschicht“: Wer hier dabei war, hat nicht nur neue Kontakte geknüpft, sondern auch gemeinsam etwas Gutes für den Kiez getan.

Kathrin Zauter
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Paritätischer Berlin

Fotos: Anne Jeglinski

Dienstag, 12. September 2017